Juli-News (2013)

Im Juli wurden weitere Mehlschwalben aufgenommen. Zur Zeit sind 19 Mehlschwalben in der Station - 8 davon stehen kurz vor der Auswilderung, 7 weitere müssen noch gefüttert werden. 1 Mehlschwalbe wurde erschöpft auf einer Wiese aufgefunden und es stellte sich heraus, dass sie eine Beinverletzung hat. Sie hat sich sehr langsam erholt, frißt inzwischen aber selbstständig und kann auch wieder fliegen. Allerdings macht mir ihr linkes Bein Sorge. Wie es aussieht, wird es nie wieder ganz gesund werden. Eine behinderte Mehlschwalbe wird leider in der Freiheit keine Chancen haben. Sie wird erst einmal hierbleiben müssen. 3 weitere Mehlschwalben sitzen in Quarantäne, da sie krank sind, Verdauungs- und Gefiederprobleme haben. Da muss ich schauen, in wieweit diese Tiere freiheitstauglich werden.
Wenn man so viele Mehlschwalben betreut, hat man eine gute Gelegenheit, ihr Verhalten zu studieren. Sie sind sehr sozial, sitzen beieinander und fliegen gemeinsam. Geschwister und Pärchen sitzen besonders eng zusammen. Fliegt eins weg (oder man muss eins separieren) sucht das andere seinen Partner und man kann sehen, wieviel Streß (und ich würde sogar sagen, Kummer) so etwas auslöst. Im Falle der behinderten Mehlschwalbe wird das auch ein ernstes Problem, denn diese hat sich sehr eng mit zwei Einzelkindern zusammengeschlossen. Bald muss ich dieses Trüppchen trennen. Die beiden Jungschwalben werden natürlich ausgewildert. Für die behinderte muss ich eine Lösung finden….
Ein junger Grünfink wurde ca. 3 Wochen von den Findern mit Katzenfutter aufgezogen. Es ist erstaunlich, dass dieses Vögelchen als reiner Vegetarier diese Fehlernährung überstanden hat! Er wurde bei mir auf seine natürliche Nahrung - Körner und feine Sämereien - umgestellt, frass sehr bald alleine und konnte Ende des Monats über eine Voliere ausgewildert werden. Gut eine Woche lang konnte ich ihn hin und wieder beobachten, weil er sich immer noch etwas Futter abholte.
Eine junge Silbermöwe wurde geschwächt und fluguntauglich in der Rostocker Innenstadt aufgefunden. Nach 2 Wochen Betreuung konnte sie ausgewildert werden. 2 weitere Jungmöwen wurden in einer Pflegestelle betreut. Leider starb die eine nach kurzer Zeit, weil sie zu stark verletzt war. Die andere flog inzwischen in die Freiheit.
Mitte des Monats wurden 5 junge Kohlmeisen gebracht. Hier war wieder einmal eine Hauskatze im Spiel, die die Elterntiere tötete. Die Kleinen haben sich prächtig entwickelt, machen einen Heidenlärm und fressen mittlerweile alleine. Die Auswilderung steht kurz bevor.
Auch die Feldhasen sind inzwischen groß geworden. Selbst der kleinste, der von den Findern mit einer seltsamen Mischung aus Eigelb, Öl und Milchpulver ernährt wurde, hat seine Defizite aufgeholt. Sie werden in den nächsten Tagen zusammen in die Freiheit gehen.
Ein einzelnes Spätzchen wurde noch aufgenommen, befindet sich mittlerweile in einer Pflegestelle und wird dort gut umsorgt.
2 Igel konnten ausgewildert werden, der dritte hat Koordinationsstörungen und lebt vorläufig in einem großen Gehege. Hier wird eine Auswilderung wohl nicht in Frage kommen.
Das Eichhörnchen befindet sich weiterhin in der Voliere. Der Fuß ist zwar besser geworden, aber leider noch nicht so gut, wie es für ein Leben in Freiheit nötig wäre. Ich hoffe sehr, dass mit der Zeit eine vollständige Ausheilung eintritt.
Am 19. Juli wurde ein junger Mauersegler gebracht, der auf dem Boden aufgefunden wurde. Vermutlich hat ihn die starke Hitze viel zu früh aus dem Nest getrieben. Nach eineinhalb Wochen Betreuung konnte der Segler gesund und munter in die Freiheit starten.
Leider gibt es auch schlechte Nachrichten. Die Amselkinder, die im Juni als sehr kleine Nestlinge aufgefunden wurden, mussten eingeschläfert werden. Durch den Sturz aus dem Nest haben sie sich die Beine gebrochen bzw. ausgerenkt. Sie hatten sich ansonsten gut entwickelt und es fiel mir nicht leicht, diese Entscheidung zu treffen.
Im Falle der “Georg Büchner” und der damit verbundenen Zerstörung der Brutplätze gibt es folgende Mitteilung vom zuständigen Bearbeiter der Bußgeldstelle:
“Nach vorläufigem Abschluss unserer Ermittlungen wurde der Vorgang in der vergangenen Woche an die Staatsanwaltschaft Rostock abgegeben.”

 

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